Ultralauf 7.0

Gesamtstrecke: 181.24 km
Maximale Höhe: 445 m
Minimale Höhe: 125 m
Gesamtanstieg: 2555 m

Am 1. März 2019 starteten wir in Bautzen zur ersten der drei Etappen des Ultralauf 7.0.
Das Hotel Best Western Plus in Bautzen war dabei an allen drei Tagen Start und Ziel zugleich.

1. Etappe : führte uns auf den Löbauer Berg und zurück (ca. 63km)

2. Etappe : führte uns zu den Oppacher Mineralquellen und zurück (ca. 50 km)

3. Etappe : hier hieß es einmal Bärwalder See und zurück (ca. 73 km)

Laufberichte 2019

Daniela Eichmann

Ultralauf 7.0 – der sympathischste Lauf, an dem ich jemals teilgenommen habe!

Drei Tage lang, jeden Tag einen Ultramarathon zu laufen und dabei auch noch Spaß zu haben, das glaubt nur, wer dabei war. Der Ultralauf 7.0 ist geschafft, das Erlebnis bleibt. Und dieses war wirklich beeindruckend! Der Lauf ist angenehm anders, als die großen, bunten und lauten Laufveranstaltungen, bei denen unzählige Läufer aneinander vorbeihetzen und meinen, ihre ambitionierten Zielzeiten um jeden Preis erreichen zu müssen. Beim Ultralauf zählt der Gedanke der Gemeinschaft. Es wird miteinander und nicht gegeneinander gelaufen. Wenn unterwegs die Puste ausgeht oder das Knie zwickt, werden die Läufer in den Begleitfahrzeugen mitgenommen. Damit kann man ganz entspannt an jedem Versorgungspunkt entscheiden, ob man weiterlaufen will oder eine Pause einlegt. Das heißt nicht, dass es leicht ist die langen Strecken zu laufen. Man kann sich aber selbst gut ausprobieren. Da die Verpflegungspunkte nicht weiter als 10 km (meist 5 – 6 km) auseinanderliegen, muss man immer nur überlegen, ob die eigenen Kräfte bis zum nächsten Haltepunkt reichen oder ob eine Pause angebracht ist. An den Verpflegungspunkten sind zumeist sogar Physiotherapeuten zur Stelle, die kleinere Ausfallerscheinungen schnell lindern können. Und im Ziel warteten schon weitere Physiotherapeuten, bei denen man sich noch eine richtig gute Massage gönnen konnte. Traumhaft! Der Ultralauf war super vorbereitet und exakt durchgeplant. Ein super nettes Team von freiwilligen Helfern hatte immer schon vor der Ankunft der Läufer an den Verpflegungspunkten „Tischlein deck dich!“ gespielt und sogar für jeden einen Becher heißen Tee abgefüllt. Vor dem Starten wurden die Verpflegungswünsche für die nächste Pause abgefragt. Besser geht es nun wirklich nicht! Die gesamte Familie Kohn, Hartmut, seine Frau, seine beiden quirligen Töchter und sogar seine Eltern, haben den Ultralauf voller Energie und mit ausgesprochen freundlicher Art zu einem Erlebnis gemacht. Die Läufer waren an den drei Tagen zu Mitgliedern dieser bemerkenswerten Familie geworden. Vielen Dank! Ich danke auch allen anderen Helfern und allen Läufern für die eindrucksvollen drei Tage. Und nächstes Jahr, wenn es terminlich passt, komme ich natürlich sehr gern wieder mit! Sport frei!

Daniela

Hartmut Kohn

Mein Ultralauf 7.0 begann ja schon im letzten Jahr. Nachdem ich eine geeignete Laufstrecke/n gefunden hatte, ging es mit der Detailplanung los. Reiner Mehlhorn zeichnete auf GPSies eine erste Laufstrecke. Wir wollten ja wieder an 3 Tagen laufen. Bautzen stand diesmal als Homebase fest. Nur wohin jeweils?

Der Löbauer Berg, die Oppacher Mineralquellen und der Bärwalder See erschienen mir als machbare Zwischenziele. Reiner hatte zeitnah die Lauf-Etappen fertig. Thomas Spannaus erklärte sich bereit die 2. Etappe in der Praxis zu testen. So wurde diese Etappe mehrfach überarbeitet. Ich schloss wieder Freundschaft mit der Trilexbahn und reiste an vielen Montagen nach Bautzen. Den Fußweg vom Bahnhof Bautzen zum Hotel Best Western Plus kann ich mittlerweile mit verbundenen Augen zurück legen. Auch nach meinen verschiedenen Praxistests änderten sich die Tracks mehrfach. Besonders in Löbau galt der Auf – und Abstieg meinem Augenmerk. Den Wanderweg zum Löbauer Berg wählte ich aus sicherheitspolitischen Gründen nicht aus, denn bei Schnee und Eis erschien mir dieser als ungeeignet! Nebenbei habe ich mit dem Manager ,der Gruppenreservierung ,des Hotels Best Western Plus Bautzen kommuniziert. Die Anmeldung zum Ultralauf öffnete ich frühzeitig. Die ersten Meldungen kamen zeitnah. Helfer das ist immer wieder ein großes Thema. Ehrenamtlich und noch für die Übernachtung bezahlen? Das ist nicht einfach. Meine Helfer-Crew stand bald fest. Carola Franzen, Bernd Mizera, Torsten Eggerichs, Kerstin Kupka , Stefan Link und natürlich meine Mausi und meine Töchter Linda und Leonie waren wieder an Bord. Auf meiner Facebookseite ” Ultralauf 7.0″ und meiner Homepage veröffentlichte ich Informationen zum Lauf. Die Wochen und Tage vergingen sehr schnell. Die Anmeldungen wurden immer zahlreicher, so dass ich vor so einigen logistischen Herausforderungen stand. Mit meinen starken Partnern im Hintergrund konnten diese gelöst werden. Am 27.2.19 bat mich die Sächsische Zeitung und Radio Lausitz zum Interview. Am späten Nachmittag des 28.2.19 starteten die VP-Autos in Klotzsche. Carola Franzen, Bernd Mizera und Sybille Plötz / Jürgen Reuter holten Teile des Equipments mit ihren Fahrzeugen ab. Um 20.00 Uhr ,im ersten Stock des Hotels , fand ein letztes Briefing für die Teilnehmer und Helfer des Ultralaufs statt. Zahlreiche Fragen konnte ich beantworten.

Nach kurzer Nacht, Frühstück um 5.45 Uhr. Anschließend packten die Helfer die Fahrzeuge. Ich “schmiss” mich in meine Laufklamotten. Leonie und Linda starteten die GPS Tracker von Racemap und übergaben diese den Läufern. 7.00 Uhr Laufstart bei leichtem Regen in Richtung Löbau, auf der festgelegten Route. Frühs hin und Nachmittags zurück, das war der Plan. Dieser Plan hat auch funktioniert. Am frühen Abend erreichten wir vollzählig das Team Hotel. Nach der Physiotherapie fand ein gemeinsames Abendessen vom Buffet statt. Zu lange haben wir nicht gesessen, denn der Wecker zur 2. Etappe sollte für mich um 5.00 Uhr klingeln.

Strahlende Gesichter wieder beim Frühstück. Auch die Restaurantfachfrau lächelte. Während Norman Heidenbluth ab 6.30 Uhr das Warm Up leitete, waren die Helfer fleißig am Packen der Autos. Heute standen uns neben der drei Transporter noch zwei Pkws zur Verfügung. Simone Kupke und Axel Pröhl waren die zusätzlichen Kraftfahrer. Axel war auch schon auf der 1.Etappe dabei. An den VP‘s war Simone als Physiotherapeutin tätig. Der Oberbürgermeister von Bautzen ,Alexander Ahrens, richtete nach dem Frühstück ein paar Worte an die Läufer. Bei gutem Wetter starteten wir in Richtung Oppach. Thomas Spannaus hatte heute die rote Mütze auf. Das bedeutete für mich Entspannung, denn ich musste mich nicht um die Navigation kümmern. Vor den Werktoren der Oppacher Mineralquellen empfingen uns die Helfer mit einem euphorischen Empfang. Bautzen erreichten wir an diesem Tag etwas früher, so dass noch Zeit für eine Yoga-Stunde mit Norman Heidenbluth und eine -von Ines Pröhl iniziierte – Stadtführung blieb. Die Yoga-Stunde mit Norman Heidenbluth war sehr gut und hilfreich. Die Stadtführung war sehr informativ.

Die 3. Etappe zum Bärwalder See startete am Sonntag pünktlich um 7.00 Uhr. 75 km standen heute auf dem Programm. Die Anstrengungen der letzten beiden Tagen merkte man jedem an. Mein Ziel war es wieder komplett alle 3 Etappen zu absolvieren. Neben meiner Arbeit als Orga. Chef war es kein leichtes Unterfangen. Dank der Pflege von Mausi, Norman und der Physiotherapie war es eine lösbare Aufgabe. Sicher trug die ausgezeichnete Versorgung an den VP’s zusätzlich dazu bei. Torsten Eggerichs und Reiner Mehlhorn arbeiteten die Lage der einzelnen VP’s akribisch aus. Die Helfer bauten die mobilen Stände in Akkordarbeit auf und wieder ab. Jeder meisterte seinen Aufgabenbereich vorbildlich. Dann kam Bautzen als Ziel immer näher. Zwischendurch hatte ich mental so manchen “Hänger“. Auf den letzten 3 Kilometern kam noch mal Unruhe auf ,aber das ließ sich beiliegen. So kamen wir zusammen gesund und lächelnd an. Eigentlich hätte ich (als Fahrer) eines der Autos zurück nach Dresden fahren müssen. Zum Glück übernahm das Thomas Spannaus, der glücklich war den Spacetourer ,vom Citroen AH auf der Dohnaer Str / PSA Retail GmbH Niederlassung Dresden ,zu lenken. Müde und geschafft fiel ich, gegen 22.00 in Klotzsche, in den Schlaf.

Ich möchte mich bei allen Beteiligten für die Unterstützung des Ultralauf 7.0 bedanken. Jeder Helfer und jeder Sponsor hat individuell zum erfolgreichen Abschluss beigetragen. Meine Eltern standen als Stand by Besenwagen vor Ort bereit. Carola fuhr nicht nur ein Auto, sie postete zeitnah die offiziellen Ultralauf-Fotos. Bernd ,der zweite Kraftfahrer, fuhr souverän einen Transporter. Er unterstützte das Event bereits in der Vorbereitung. Stefan ,der dritte Kraftfahrer und Fotograf ,machte in den Fahrpausen viele schöne Aufnahmen. Norman kümmerte sich auf den Etappen um die körperlichen Beschwerden der Läufer. Reiner als Personaltrainer hat mich wiedermal erfolgreich ins Ziel mit seinen Trainingsplänen gebracht. Torsten Eggerichs organisierte die Physiotherapie an den Abenden im Hotel. Er fuhr zudem in der Vorbereitung regelmäßig nach Heidenau zu Werbe-Lange, um verschiedene Aufträge von mir zu erledigen. Mausi, Linda, Leonie waren einzigartig. Axel Pröhl half zusätzlich bei der Navigation. Kerstin Kupka hielt den Kontakt zu den Pressevertretern. Zum Lauf backte sie viele Kuchen. Auf meinem Wunsch gluten- und nussfrei. Christoph Schroth ,von der Firma Racemap, half tatkräftig bei der Orga, zum Livetracking. Das Livetracking diente der Visualisierung des Events im Internet und der Sicherheit der Teilnehmer. Jens Kafka knipste auf der 1. und 3. Etappe viele schöne Fotos. Mein besonderer Dank gilt meiner Familie die im Vorfeld sehr viel Verständnis aufgebracht haben. Lobend möchte ich den Herrn Mathias Reichelt Manager des Hotels Best Western Plus Bautzen erwähnen. Er stand uns jederzeit zur Verfügung und löste sofort alle Fragen. Dafür bekommt er und sein Team vom Hotel 5 Sterne.

Hartmut Kohn

René Hillebrand

Ich laufe nie weiter als einen Marathon…

…habe ich mal gesagt – mit folgender Begründung: Wenn der Marathon schlecht vorbereitet ist und man die vier Stunden deutlich überschreitet, dann wird die ganze Lauferei einfach nur langweilig und macht keinen Spaß mehr. Beim Triathlon ist das anders – dort wechselt man spätestens nach ein paar Stunden die Disziplin und im Dreierteam an der Treppe ist ja eigentlich auch mehr Pause als Treppengang angesagt. Warum dann einen Ultralauf???

Wenn man in und um Dresden läuferisch an der ein oder anderen Veranstaltung teilnimmt, wird man früher oder später auf Hartmut Kohn aufmerksam. Ich habe viele seiner teilweise extremen Aktionen verfolgt, seien es die vergangenen Ultraläufe, sein Alleingang auf der Treppe, oder die Mehrfachteilnahmen am Schlosstriathlon und bei der Team-Challenge, allerdings immer nur per Facebook oder Live-Tracking /-zeitnahme. Den ersten direkten Kontakt hatte ich in der Vorbereitung auf die erste Dreierseilschaft gesucht – dort hat Hartmut einfach viele Fragen beantwortet, die unserm Team bis dahin unklar waren.

Als ich dann am 16.12.2018 früh in die S-Bahn nach Pirna zum OEM-Adventslauftreff stieg, saß direkt gegenüber neben der Tür Hartmut und wedelte mir gleich mit seinem Ultralauf-7.0-Flyer vor dem Gesicht rum. Ob ich nicht mitmachen möchte, es wären auch einzelne Etappen möglich, wir laufen ruhig in der Gruppe usw. – Hartmut wie er leibt und lebt eben. Nach einigem Abwägen, welche Strecke ich wohl nehmen sollte, hatte ich mich dann zum Jahreswechsel durchgerungen, an der längsten aber dafür flachsten Etappe des Ultralaufs 7.0 teilzunehmen. Da ich 2019 noch einen Alleingang auf der Treppe probieren will, passten die ca. 73 km als Vorbereitung auch ganz gut in den Plan.

Am 03.03.2019 ging es dann früh um 05:45 Uhr aus Dresden in Richtung Bautzen los, um pünktlich zum Start am Hotel zu sein:

 

Das Warm-Up mit Norman habe ich nicht ganz geschafft, es war aber noch genügend Zeit, um mich mental auf die nun gleich anstehenden ca. 73 km vorzubereiten. Ich haderte bis zum Start noch mit mir selbst, ob ich die ca. 6:30 min/km über die gesamte Strecke werde durchhalten können. Als neuer Läufer auf der dritten und letzten Etappe wurde ich aber sofort & herzlich von den gestandenen Ultraläufern, die ja schon über hundert Kilometer in den Beinen hatten, aufgenommen.

Vom Start weg ging es aus der Stadt raus ins wellige Umland – alles überhaupt kein Problem, die etwas knackigeren Anstiege wurden als „Gehberge“ deklariert und ebenso bewältigt. Kurz nach dem Stausee ging es über einen Feldweg zum ersten VP, der nach ca. 7 km erreicht wurde. Hier bin ich dann zum ersten Mal komplett in das Kohn-Universum eingetaucht – die komplette Familie und alle Betreuer standen bereit, um die Läufer rundum zu verpflegen. Tee, Wasser, Cola, Kaffee, Obst, Kuchen, Schnittchen, Schokolade – alles reichlich da. Nach ca. 10 Minuten ging es dann auch schon weiter. Die Strecke war dann im weiteren Verlauf – wie vorher schon bei GPSies.com ersichtlich – absolut flach. Es ging weiter über Feldwege, durch Wälder über Wiesen & Felder von Verpflegungspunkt zu Verpflegungspunkt. Zu den Highlights unterwegs zählten immer wieder die Betreuung an den VPs (absolut perfekt!), ein Gruppenfoto an der „Blauen Adria“ und in „Klein Moritzburg“ und das nette Miteinander innerhalb der Laufgruppe. Auch wenn sich das Feld zwischenzeitlich ziemlich auseinandergezogen hatte, so trafen doch alle fast gemeinsam an den VPs ein. Im Schnitt hatten wir soweit eine 7:20 min/km auf der Uhr mit rausgestoppten Pausen.

Der vierte VP in Uhyst am Südwestufer des Bärwalder Sees nahte – Hartmut hatte uns hierher souverän mit dem Oregon navigiert. Es gab leckere Wiener Würstchen (warm!) mit Senf & Ketchup und allem Drum und Dran:

Weiter ging es an den Bärwalder See, den ich vor Jahren schon einmal umrundet hatte. Teilweise liefen wir auf dem Radweg, teilweise auf dem Waldweg daneben. Hartmut erzählte von seinem Marathonschwimmen im Bärwalder See und wir näherten uns der Marke, ab der die restliche Distanz „nur“ noch ein Marathon war. Die Oberschenkel machten sich langsam bemerkbar – restliche Knochen: alles soweit in Ordnung.

Am 5. VP des Tages hatten wir dann Hälfte der Gesamtstrecke geschafft und es ging nun auf sandigen Kiefernwaldwegen – fast wie in Brandenburg – wieder südwärts Richtung Bautzen. Vorher gab es noch einmal Vollverpflegung mit Hühnerbrühe und – passend zur Lausitz – Pellkartoffeln mit Quark auf dem witterungsbedingt etwas zugigen Parkplatz am Nordstrand des Bärwalder Sees.

Alle folgenden VPs waren ja nun jenseits der Marathon-Marke und das machte sich nun auch jeweils beim Anlaufen deutlich bemerkbar. Die ersten Schritte wurden immer unrunder und die netten Versucher der Mitläufer mit mir zu reden, endeten immer sehr rasch – keine Puste mehr zum Sprechen! Gegen 15:00 Uhr, mit noch ca. 21 km vor der Brust, war aber klar – das Ding hier ist machbar!

Die Kräfte schwanden langsam und an den verbleibenden VPs brauchte jeder länger zur Regeneration der müden Knochen. Alle Achtung denen gegenüber, die mehr als diese eine Etappe in den Beinen hatten – ich hätte mich an ihrer Stelle zu diesem Zeitpunkt wohl nicht mehr motivieren können. Hartmut saß am vorletzten VP im Heck eines Versorgungsfahrzeuges den Kopf auf die Hände gestützt und seine Frau meinte zu ihm: „Ihr macht Euch davon doch die Knochen kaputt!“ Er erwiderte: „Ist doch scheißegal!“ Genau, scheißegal – und weiter gings! Der Satz ist irgendwie hängen geblieben, genauso wie der vor mir laufende und immer wieder auf den Oregon schauende Hartmut.

Nach dem letzten VP ging es in der Dämmerung auf die finalen 6 km. Hartmut und ich waren die beiden letzten Läufer, die wieder auf die Strecke gingen. Er mit knappen 180 km und ich mit ca. 70 – beide im Anlauf ziemlich unrund, eher schon eckig. Es ging eine leicht befahrene Landstraße entlang (wie schon den ganzen Tag über immer schön auf der linken Seite) mit zunehmender Dunkelheit immer unangenehmer bei entgegenkommenden Autos. Aber dann war das beleuchtete Bautzen erreicht und wir wollten als Gruppe gemeinsam die letzten Kilometer absolvieren. Allerdings lagen nun verständlicherweise bei allen die Nerven blank, so dass sich das Feld etwas auseinanderzog und leichter Unmut aufkam – egal, denn alle haben sich inzwischen wieder gern, denke ich und der Jubel im Ziel am Hotel und die gemeinsamen Gruppenbilder entschädigen für so ziemlich alles.

Was bleibt hängen? Gesichter von Läufern, die an ihre Grenzen gegangen sind und diese sicher auch teilweise neu ausgelotet haben. Die Erfahrung einer TipTop-Organisation! Und: Ich hatte damals mit meiner Aussage zur Langeweile ab 4 h absolut Unrecht!

Geil wars – gerne wieder!

Sei dabei! – Čiń sobu!

Sports-Tracker Link

Jürgen Reuter

Ultralauf 7.0 Bautzen + X, oder auch Begegnungen der besonderen Art.

Donnerstag, der 28.02.2019, Weiberfastnacht. Rechtzeitig haben wir, Sybille und ich, uns dieses Mal darum gekümmert, der Fastnacht zu entkommen. Es geht heute über die A 5 und A 4 nach Bautzen, zum Ultralauf 7.0 Bautzen + X. Wir können mehr als pünktlich starten, ca. 580 Km sind es bis Bautzen. Wir kommen gut, ohne Stau durch bis Dresden. In Dresden legen wir einen zusätzlichen Stopp ein. Hartmut Kohn, der Orga Chef des Laufes, hat viel Material nach Bautzen zum Mitnehmen und wir haben noch Platz im Auto. So lernen wir schon vorab Hartmut und seine Familie kennen. Es geht weiter nach Bautzen zum Hotel. Schnell einchecken, das Gepäck aufs Zimmer. Jetzt noch was zum Abendessen, denn Hartmut hat für um 20 Uhr das Briefing angesetzt.

Nach und nach treffen Läufer und Helfer ein, das Briefing startet in einer sehr lockeren und entspannten Atmosphäre, es ist mehr ein „Meet and Greet“. Die Shirts und Mützen werden verteilt, einige Infos zu den Strecken und dem gesamten Ablauf. Das übliche halt. Hartmut hat alles Minutiös geplant, 5:45 – 6:30 Uhr Frühstück, danach bis 6:45 Uhr ein Warm Up, dann das obligatorische Startfoto und pünktlich um 7 Uhr der Start. Es wird nicht gewartet, sagt Hartmut. Mir kommt eine Aussage im Messenger von ihm in Erinnerung: „der 5 Jahresplan muss eingehalten werden“. Ich bekomm das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. In Anbetracht des frühen Weckens am nächsten Tag ziehen wir uns danach sofort zurück aufs Zimmer. Es müssen ja noch die Klamotten zum Laufen gerichtet werden.

Der Tag 1: 05:10 Uhr, der Wecker weckt uns sehr unsanft. Pünktlich zum Frühstück, wir sind aber nicht die ersten. Das geplante Warm Up fällt dann heute doch aus, es gibt noch so viel vor dem ersten Start zu organisieren. Es dauert bis alle zum Startfoto stillstehen. Pünktlich um 7 Uhr dann der Start. Es hat die ganze Nacht geregnet. Die Hoffnung dass dieser dauerhaft nachlässt schwindet immer mehr.

Also laufen wir im Regen los. Vorbei am ehemaligen Stasi Gefängnis verlassen wir Bautzen in Richtung Löbau zum Löbauer Berg. Der „Löbauer Berg“ ist ein erloschener Vulkan mit einer Höhe von ca. 448 Metern. Auf dessen Gipfel steht der König Friedrich August Turm. Der gusseiserne Turm ist 28 Meter hoch. Diesen gilt es zu besteigen. Nach einem Eintrag im Gipfelbuch verlassen wir schnell wieder den Turm, es zieht mächtig hier oben.

Es geht wieder runter in Richtung Löbau, wo VP 6 zur Stärkung auf uns wartet. Insgesamt hat Hartmut auf der heutigen Runde 10 Vp’s für uns eingeplant. Es fehlt aber auch an nichts. Es gibt Hühnerbrühe, eigenhändig von Hartmut vorbereitet, der von Beruf Koch ist. Ich zögere, da ich sonst vom Huhn nur das Ei esse, probiere dann doch. Man ist die lecker, Nachschlag folgt, einfach nur lecker!! Der Regen, der zwischenzeitlich aufhörte, setzte wieder leicht ein. Es gibt wohl nur noch wenige Hotels mit einer Badewanne im Zimmer.

Wir, also eher Sybille, hatte diesbezüglich Glück. Wir hatten eine und so freute sich Sybille, aufgrund des immer wieder einsetzenden Niederschlags, schon gefühlt seit Stunden auf diese. Aber bis dahin noch ein weiter Weg. Es braucht sicherlich seine Zeit bis sich so eine Gruppe auf die eigentlich geplante Pace einläuft. Von einigen sicherlich unbemerkt wurde die Gruppe immer etwas schneller und zog sich so weiter auseinander, Das aber sollte so nicht sein. Im hinteren Teil der Gruppe wurde dieses auch bereits bemängelt. Als Jens aus der Gruppe heraus dieses deutlich und bestimmt ansprach war auch das geregelt. Alles kein Problem. Zwischenzeitlich war auch Norman zur Gruppe gestoßen. Norman ist Personal Trainer und wollte in den drei Tagen mindestens 100 Km schaffen. Das war aber nicht der einzige Grund warum er mitgelaufen ist. Er sollte bzw. wollte auch, wenn erforderlich, den Läufern mit seinen guten physiotherapeutischen Kenntnissen zur „Verfügung“ stehen. Er wurde an den noch folgenden zwei Tagen rege in Anspruch genommen. In Bautzen wieder angekommen noch schnell ein Zielfoto und ab unter die Dusche bzw. Wanne. Wer wollte konnte noch die Sauna aufsuchen oder die Massage, auch daran wurde gedacht. Ab 19 Uhr gab es das Abendessen als Buffet. Bis auf den Regen ein sehr schöner Tag.

Am Tag 2: vom Ultra Lauf, stand dann die kürzere Distanz an, ca. 45 Km aber mit einigen Höhenmetern. Es galt drei Berge zu bezwingen. Das Warm Up übernahm heute Norman. Er forderte die Gruppe ordentlich.

Deutliche Defizite traten hervor. Das Startfoto wurde gemacht. Doch bevor es losgehen konnte begrüßte uns noch der Oberbürgermeister von Bautzen, Alexander Ahrens, in einer kurzen Ansprache. Er freute sich darüber, dass Hartmut für diesen Lauf Bautzen als Start und Ziel ausgewählt hat. Er selbst sei auch mal Sportler gewesen, allerdings habe er den Gelenke schonenderen Sport des Eishockeys bevorzugt. Mit etwa 5 Minuten Verspätung ging es dann auch los. Heute führt Thomas die Gruppe. Ein sehr erfahrener Ultra (Trail) Läufer, u. a. beim ZUT, Pitz Alpin und CCC. Er kennt die Strecke sehr gut, brauchte also kaum Navi bzw. Streckencheck. In einem sehr gleichmäßigen Tempo führte er die Gruppe. Ich denke, nicht nur für mich, war das mit einer der schönsten Strecke. Sie verlief auf wenig Asphalt, dafür mehr Wald, Trail und auch Single Pfade waren dabei. Auf dieser Runde waren 6 VP`s eingeplant. Die Versorgung wiedermal exzellent. Das Helferteam hat wieder einmal perfekte Arbeit geleistet. Hartmut hat seine ganze Familie in den Lauf integriert. Seine Frau Michaela, von allen „Mausi“ genannt oder auch „die Mutti des Ultralaufs“ sowie die Töchter Linda und Leonie sind wie alle anderen, unverzichtbare Helferinnen im Team. Die Gruppe war mittlerweile sehr gut aufeinander eingestimmt. und wir erreichten frühzeitig wieder Bautzen. So stand der Nachmittag noch zur freien Verfügung. Angeboten wurde von Norman eine Stunde Yoga (16-17 Uhr). Kurzfristig wurde noch eine kurze Stadtführung (17-18 Uhr) mit ins Programm aufgenommen. Anschließend noch Massage oder Sauna. Es war ein sehr kurzweiliger und toller Tag und das ohne Regen. Ab 19 Uhr wieder Buffet zum Abendessen. In Anbetracht des folgenden 3. Ultras, an dem 75 Km an Tagesleistung auf uns warteten, zog ich mich rechtzeitig zur Ruhe zurück. Bei Sybille zog sich der Rückzug durch die Massage auf Abruf und nachfolgend verspätetem Abendessen nach hinten hinaus.

Am Tag 3: stand nun die längste Laufeinheit an. Alles wie gewohnt, Frühstück und das Warm Up mit Norman. Er gab sich alle Mühe, ich sag nur Brust, Hüfte und „Entenarsch“… „Sprungschanze“ … „noch drei Atemzüge“ …, man tat das weh. Pünktlich um 7 Uhr der Start. Heute wieder mit Hartmut als Gruppenführer. Die ersten Kilometer etwas zäh, aber ab danach lief es richtig gut bei mir. Keine Probleme in den Beinen, nur der Kopf wollte sich nicht so richtig auf die 75 Km einlassen. Der gesamte Lauf über die 3 Tage ist so organisiert, dass an jedem VP die Möglichkeit besteht, sich in eines der Begleitfahrzeuge zu setzen und mit bis zum nächsten oder übernächsten VP zu fahren und dort wieder in den Lauf einzusteigen. Selbst wer den Lauf vorzeitig beenden will bzw. muss, wird zurück ins Hotel gebracht. 
Hartmut hatte dafür extra seine Eltern engagiert, die im Hotel auf „Standby“ saßen und auf Abruf warteten. Das macht es, für den, der die Strecke komplett durchlaufen will nicht einfacher. Dennoch ist die Verlockung, ins Auto zu steigen, groß. So nutzten an diesem Tag doch einige diesen Service, wenn auch nur ungern. Norman hatte bereits gestern viel zu tun. Und auch heute wurde er gefordert. Er war sofort zur Stelle, wenn es irgendwo zwickte. Man merkt, dass er seinen Job als Personal Trainer sehr gerne und vor allem sehr gut macht. Flossing, einer der momentan führenden Trends. Was sich witzig anhört, ist eine recht unangenehme, aber sehr wirkungsvolle Behandlungsmethode aus dem Bereich der (Sport-)Physiotherapie. Die Runde heute führte zum „Bärwalder See“. Er ist mit seinen 13 qkm und einer Tiefe von 58 m, der größte See in Sachsen. Der Name ist vom Ort „Bärwalde“ abgeleitet. Ein Überbleibsel vom dortigen Tagebau, der seit 1997 geflutet wurde. Wir laufen mehr als die Hälfte um den See herum. Hier sind auch die längsten Abschnitte zwischen den Vp`s zu laufen. Einmal 10 Km und der andere Abschnitt mit fast 11 Km. Insgesamt gibt es heute 10 VP`s. Auf halber Strecke, am Bärwalder See. steigt Norman wie geplant aus. Sein Ziel mind. 100 Km zu laufen hat er sogar übertroffen. Ab jetzt muss die Gruppe ohne seine Hilfestellung auskommen. Unglaublich was das rollende Helfer- bzw. Versorgungsteam in diesen 3 Tagen leistet. Die VP´s laut Kartentrack, 26-mal genau an vermerkten Punkten mit dem Proviant auf- bzw. abbauen. Zwischendurch entsprechend dem „5 Jahresplan“ kochen, Brote belegen, nach Verabschiedung der Läufer an dem einen VP zum nächsten VP fahren. Das ALLES klappt reibungslos und es ist angerichtet, bevor wir Läufer wieder ankommen. Immer freundlich, lustig und motivierend. Man könnte annehmen, sie tragen immer die Glaskugel mit, durch die sie die Wünsche aller Läufer ablesen. Meinen höchsten Respekt !!! Gerne würde ich hier alle namentlich erwähnen, aber das Risiko auch nur eine/en zu vergessen. NEIN das geht nicht. Die letzten 20 Km ziehen sich. Vom Mauerweglauf in Berlin kennen wir das, es wird von Vp zu Vp sich durchgekämpft. Sybille kämpft mit sich aber sie weiß, für wen sie das tut. Ich bin es nicht. Respekt, dass du es durchgezogen hast!! Deutlich unter der von mir angedachten Zeit, erreicht die Gruppe wieder Bautzen. Der letzte Abschnitt, von VP 26 zum Hotel, hat es sich kein Läufer, auch von denen, die Verletzungsbedingt ins Auto steigen mussten, es nehmen lassen, zu laufen. Sogar unser „Fahnenmaskottchen“ Leonie hat uns bis ins Ziel begleitet. Es ist auf den letzten Kilometern nicht ganz einfach die Gruppe zusammen zu halten. Zu viele Emotionen sind im Spiel und prallen aufeinander. Die Dunkelheit hält über uns Einzug. Das Ziel immer im Blick. Erleichternd, unter der Führung von Hartmut mit der roten Mütze, erreichen wir den Start- und gleichzeitig Zielpunkt. Hartmut hat die Gruppe über den ganzen Tag geführt, gleichzeitig alle 3 Etappen gelaufen sowie im Vorfeld den „Ultra 7.0 Bautzen + X“ bis ins Detail vorbereitet. Was für eine Leistung. Respekt, das muss man erst einmal nachmachen! Fast schon frenetisch wird die Gruppe von den Helfern, Freunden oder Bekannten im Ziel empfangen. So Mansches Auge blieb hier nicht mehr trocken. Es war Klasse. Das Zielfoto wird heute in der Lobby gemacht. Hartmut setzt dann nochmal eine kleine Herausforderung. Es ist mittlerweile schon nach 19 Uhr und er bittet um 19:45 Uhr zum Treffen in der Lobby, geduscht wohlbemerkt. Es werden Urkunden verteilt an die, die noch da sind. Allen anderen werde diese Nachgereicht. Stefan, den habe ich bisher noch nicht erwähnt, war über die 3 Tage u. a. unser Fotograf. Immer und überall mit der Kamera dabei. Er hat es sich nicht nehmen lassen, alle Bilder auf die mitgebrachten mobilen Festplatten oder sonstige Datenträger zu speichern. Nachdem nun alle verabschiedet waren, blieben wir, Sybille und ich) im Hotel, in Bautzen zurück. Wir hatten wegen der langen An- + Abreise eine zusätzliche Nacht gebucht. Den Abend nutzten wir um in der Bautzener „Senfstube“ (lecker und empfehlenswert) uns zu stärken und auf den vollgebrachten „Ultra 7.0 Bautzen + X“ anzustoßen. Eine gute Gelegenheit um die letzten 3 Tage Revue passieren zu lassen. Kurz nach Mitternacht fielen auch wir dann todmüde ins Bett. Als das Tageslicht uns wieder im Hotelzimmer erhellte, hieß es, Frühstück und Abreise vorbereiten. Im Frühstücksrestaurant angelangen, nur leere Tische und Stühle, dort wo die Tage zuvor Gleichgesinnte gesessen hatten. Wehmut kehrte in uns ein und man ertappte sich mit seinen Gedanken gleich wieder beim „Ultra 7.0 Bautzen + X“. Nachdem ausgiebigen Frühstück checkten wir im Hotel aus und deckten uns reichlich mit verschiedenen Sorten des Bautzener Senf + Sauce ein. In unserer Region, Rheinland Pfalz und Saarland ist er leider nicht in der Auswahl/ Umfang erhältlich. Die Rückreise dann über Leipzig mit Stopp bei Sybilles Mutti zum Mittagessen und danach wieder nach Hause. Es war für uns ein unvergessliches, verlängertes Wochenende mit unzähligen vieler Eindrücke und Erlebnisse verbunden mit netten neuen Bekanntschaften, die die gleiche Leidenschaft, das Laufen, mit uns teilen. Bedanken möchten wir uns bei ALLEN die in irgendeiner Weise zur Orga, der Durchführung oder dem Gelingen des Laufes beigetragen haben. Wir sehen uns hoffentlich im nächsten Jahr alle wieder, bis dahin, Sport frei, wie man wohl bei Euch so sagt.

Jürgen & Sybille